Berechnung des Unterhalts - wie funktioniert's?  

Theoretisch wäre es möglich, Ihnen an dieser Stelle eine genaue Anleitung für die Berechnung des Unterhalts zu geben. Praktisch würde das den Rahmen des Mediums Internet völlig sprengen. Die Standardwerke der juristischen Fachliteratur widmen der Berechnung des Unterhalts jeweils mehrere 100 Seiten. Derzeit ergehen zum Thema Berechnung des Unterhalts fast täglich neue Urteile der Obergerichte und des Bundesgerichtshofs. Die Frage, wie ein Unterhalt richtig zu berechnen ist, ist also nicht einfach zu beantworten, und die Berechnung des Unterhalts ist damit leider zu einer Aufgabe für absolute Fachleute geworden. Für die Berechnung des Unterhalts gilt Ähnliches wie für das Ausrechnen Ihrer Steuer: Beides ist leider auf einem Bierdeckel nicht möglich. Und: Jeder zweite Steuerbescheid ist falsch. Für Unterhaltsberechnungen gibt es keine Statistik. die Fehlerquote dürfte aber noch höher liegen.

Nur ein Überblick...

Wir geben Ihnen an dieser Stelle daher nur einen kurzen schematischen Überblick über die Berechnung des Unterhalts und raten ihnen ansonsten dazu, für eine Berechnung in Ihrem konkreten Fall professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bei einer eigenen Berechnungen ist die Gefahr, übervorteilt zu werden (was nicht einmal bewusst geschehen muss) einfach zu groß.

Beispiel und Berechnungsschema (alle Beträge gerundet)

Ein zu zahlender Unterhalt errechnet sich grob schematisch und anhand einem Beispiel wie folgt. Im Beispielsfall hat das Paar zwei Kinder im Alter von 3 und 5 Jahren, eine Eigentumswohnung, die noch abzuzahlen ist, der Mann ist der Hauptverdiener, die Frau arbeitet nebenbei halbtags, muss hierfür aber Kosten für eine Kinderbetreuung aufwenden. Die Einkommensberechnung wird für beide Eheleute durchgeführt.

Position Berechnung Mann Berechnung Frau
Monatliches Bruttoeinkommen 4.500,00

1.800,00

minus Steuern, Sozialabgaben, Vorsorgeaufwendungen 1.500,00 500,00
minus berufsbedingte Aufwendungen (Fahrtkosten et cetera), bei Arbeitern und Angestellten pauschal 5% 150,00 65,00
minus notwendige Kinderbetreuungskosten 350,00
minus berücksichtigungswürdige Schulden 750,00

ergibt Nettoeinkommen, aus dem anhand der
Düsseldorfer Tabelle der Kindesunterhalt ermittelt wird

2100,00 885,00
minus gezahlter Kindesunterhalt 456,00
minus Erwerbstätigenbonus von 10%, wenn der
Ehegatte erwerbstätig ist
165,00 89,00
ergibt das Nettoeinkommen,aus dem in der
Ehegattenunterhalt ermittelt wird.
1479,00 796,00
Summe beider Nettoeinkommen = 2277,00
Davon für jeden 1/2 1138,00 1138,00
./. eigenes Netto des Unterhaltsberechtigten 796,00
Zu zahlender Unterhalt 342,00

Zahlreiche Abweichungen...

Von diesem Schema wird in zahlreichen Fällen, insbesondere bei fehlender Leistungsfähigkeit, beim Mangelfall und bei der Unterschreitung des Selbstbehalts (also desjenigen, was auch dem Unterhaltspflichtigen mindestens übrig bleiben muss) abgewichen. Seit neuestem zieht der BGH die Kinderbetreuungskosten auch nicht mehr vom Einkommen der Frau ab, sondern teilt sie so zwischen den Ehegatten auf, dass jeder der beiden sie ( als Mehrbedarf des Kindes) jeweils zur Hälfte zahlen muss. Sie sehen: alles ist hier im Fluss. Das gesamte Regelwerk der Berechnung des Unterhalts ist für den Laien mehr als undurchsichtig.
Die Regeln zur Berechnung des Unterhalts stehen übrigens nicht Gesetz, sondern wurden von den Gerichten entwickelt. Die Gerichte können daher von diesen Regeln auch abweichen, wenn das Ergebnis dem Richter im Einzelfall unangemessen erscheint.
Sie sehen: eine richtige Unterhaltsberechnung zu erstellen kann eine halbe Doktorarbeit sein. Ob sie dann wirklich richtig ist, hängt danach davon ab, ob der Richter das Ergebnis auch für angemessen hält.

Nähere Details zur Berechnung des Unterhalts können Sie der Düsseldorfer Tabelle und den Leitlinien der Oberlandesgerichte entnehmen. Auch diese, eigentlich schon für Fachleute erstellten Richtlinien reichen aber als Hilfsmittel leider nicht aus, um eine Unterhaltsberechnung unter Berücksichtigung aller Umstände korrekt durchführen zu können.

Siehe auch: Einkommen, Abzüge vom Einkommen, Düsseldorfer Tabelle, Leitlinien,
Weitere Infos:
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