Trennung innerhalb einer Wohnung - Wie geht das?  

Die vorigen Ausführungen lassen erkennen, dass es für zwei Ehepartner schwierig werden kann, innerhalb einer Wohnung getrennt zu leben. Angesichts der heutigen Mietpreise bleibt den meisten aber gar nichts anderes übrig, wollen Sie die Voraussetzungen einer Scheidung herbeiführen. Auch für eine solche nicht sehr erquickliche Situation verlangt der Bundesgerichtshof ein "Höchstmaß an tatsächliche Trennung innerhalb aller Lebensbereiche". Das bedeutet:

Räume unter sich aufteilen


Die Eheleute müssen die Zimmer der Wohnung unter sich aufteilen und getrennt nutzen. Ausgenommen davon sind nur die Räume, die aufgrund tatsächlicher Notwendigkeiten gemeinsam benutzt werden müssen (Toilette, Bad und Küche). Folglich führen gemeinsame Fernsehabende im Wohnzimmer vor einem Fernseher dazu, dass die häusliche Gemeinschaft als nicht aufgelöst gilt.

Getrennten Haushalt führen


Die Eheleute müssen ihre Wäsche getrennt versorgen. Auch wenn es unsinnig sein mag, dass zunächst der eine seine Kochwäsche laufen lässt und dann der andere und beide Maschinen jeweils nur halbvoll sind – der BGH verlangt es so.
Ferner müssen die Eheleute auch ihre Mahlzeiten getrennt zubereiten und getrennt zu sich nehmen.
Schließlich müssen die Eheleute auch getrennt für sich einkaufen. Der BGH verlangt in der Tat, dass nicht nur statt einer Literflasche Milch jetzt zwei halbe Literflaschen im Kühlschrank stehen müssen. Es ist dem einen Ehegatten auch untersagt, dem anderen den halben Liter Milch mitzubringen.

Gemeinsame Küchen- und Badbenutzung ist unschädlich

Wie oben gesagt, schadet eine gemeinsame Bad- und Küchenbenutzung nicht, da sie unumgänglich ist.

Weitere gemeinsame berufliche Zusammenarbeit schadet auch nicht

Unschädlich ist auch  eine weitere berufliche Zusammenarbeit. Denn die Anforderungen an die Trennung beziehen sich nur auf die häusliche Gemeinschaft und nicht auf eine berufliche. Haben sich also eine Ärztin und ein Arzt kennen- und lieben gelernt und ergänzen sie sich auch beruflich ideal, weshalb sie eine Gemeinschaftspraxis eröffnet haben, so muss im Falle des Scheiterns der Ehe nicht auch die berufliche Zusammenarbeit enden. Die Gemeinschaftspraxis darf also weiter betrieben werden.

Im übrigen gelten aber die obigen strikten Regeln. Der Bundesgerichtshof ist so weit gegangen, dass er entschieden hat, dass eine häusliche Gemeinschaft auch dann nicht aufgelöst sei, wenn ein Mann nur zeitweilig im Zimmer seiner Frau übernachtet habe, weil sie psychisch erkrankt war.

Kein "ehelicher Verkehr" mehr

Eigentlich selbstverständlich sollte sein, dass es zur Auflösung der häuslichen Gemeinschaft auch dazu gehört, dass die Eheleute miteinander keinen Geschlechtsverkehr mehr haben. Gleichwohl sei dies an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt. Denn es gibt nicht Wenige, die ihre Emotionen so flexibel handhaben können, dass sie zwar ihre Ehe für gescheitert halten, rein körperliche Aspekte hiervon jedoch getrennt betrachten können.


Wie wir oben gesehen haben, führen die vom BGH gestellten Anforderungen zum Teil zu unsinnigen Regelungen. Jeder scheinbar vernünftige Mensch sucht deshalb nach kurzer Zeit nach Auswegen. Einer der beliebtesten Auswege ist es, je nach dem Geschmack der trennungswilligen Ehepartner gemeinsam weiterzuleben und lediglich den Anwälten und dem Gericht zu erzählen, man lebe getrennt. So viel menschliches Verständnis man dem auch entgegenbringen kann: Ganz ungefährlich ist das nicht. Welche Gefahren eine solche Vorgehensweise in sich birgt, erfahren Sie unter dem Kapital "Lügen vor Gericht".

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