Trennungszeitpunkt - Lügen vor Gericht?  

Viele Scheidungswillige stoßen sich an den strengen Anforderungen, die die Rechtsprechung an das Getrenntleben der Partner stellt.

Während der Trennungszeit als WG weiter zusammenwohnen?

Tatsächlich ist es schwer einzusehen, warum man Energie und Wasser verschwenden soll, nur um seine Wäsche getrennt zu waschen. Es ist auch schwer einzusehen, warum nicht für die Zeit des Getrenntlebens ein gemeinsamer Einkauf zwecks Zeitersparnis erledigt werden kann. Außerdem kommt es billiger, wenn man für zwei oder mehr Personen kocht, anstatt nur für eine. Nachdem in 80 % aller Scheidungen das Geld ohnehin knapp ist, liegt es nahe, diese Anforderungen der Rechtsprechung als Schikane anzusehen. Viele trennungswillige Ehegatten überlegen daher, ob man nicht einfach dasjenige weiterpraktiziert, was aus Vernunftsgründen gemeinsam erledigt werden sollte und man nur im übrigen getrennt leben. Den Gerichten und den Anwälten kann man ja dann immer noch etwas anderes erzählen.
So verständlich dieser Standpunkt ist – es ist nicht ganz ungefährlich, so zu verfahren:

Die Risiken der "Ehegatten-WG"

Zunächst einmal sind die Parteien im Zivilprozess – und ein solcher ist auch ein Scheidungsverfahren – prozessual zur Wahrheit nach § 138 ZPO verpflichtet. Wer der Wahrheit zuwider unrichtige Angaben macht und dadurch jemanden schädigt oder den Versuch dazu unternimmt, kann einerseits schadenersatzpflichtig werden und andererseits unter Umständen auch wegen versuchten oder vollendeten Prozessbetruges belangt werden.
Zuzugeben ist allerdings, dass die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, relativ gering ist, wenn beide Prozessparteien zusammenhalten.       

Nur wenn beide einander noch vertrauen können

Genau hier liegt jedoch der Hase im Pfeffer: Ein Scheidungsverfahren ist von zahlreichen emotionalen Unwägbarkeiten geprägt. Für beide Ehepartner, insbesondere für denjenigen, von dem die Initiative für die Scheidung nicht ausging, ist ein Scheidungsverfahren und die vorausgehende Trennungszeit eine erhebliche Belastung. Schon Kleinigkeiten reichen oft aus, dass einer der beiden "ausrastet". Das kann auch bei nach außen hin "vernünftigen" Ehepartnern jederzeit passieren, und oft sind derartige Reaktionen nicht voraussehbar.
Haben die Eheleute nur vorgetäuscht, getrennt zu leben, kann eine wegen ein wegen irgendein eines Streits erzürnter Ehepartner dem anderen, der dein Scheidungsantrag gestellt hat, obwohl die Jahresfrist noch nicht verstrichen ist, einen Strich durch die Rechnung machen, indem er jetzt vorträgt, man lebe ja gar nicht getrennt, sondern führe noch einen gemeinsamen Haushalt.
Wenn dies am Ende des sog.  "Trennungsjahres" passiert und die Scheidung bereits eingereicht ist, ist das besonders schmerzlich. In diesem Falle bleibt dem scheidungswilligen Ehepaartner nichts anders übrig, als seinen Scheidungsantrag zurückzuziehen – mit einer für ihn negativen Kostenfolge.
           
Wer sich mit seinem Partner also auf einen Deal einlässt, begibt sich in die Gefahr, diesem ins offene Messer zu laufen. Die Fälle sind häufiger, als Sie glauben.

Praxistipp:

Wenn Sie eine Gefahr sehen, dass eine intern getroffene Vereinbarung über den Trennungszeitpunkt unterlaufen werden könnte - konsultieren Sie Ihren Anwalt. Er weiss oft noch Rat.