Alleinverdienerehe - längerer Betreuungsunterhalt  


Wenn sich die Eheleute während der Ehe für das Modell der Alleinverdienerehe und eine damit verbundene Rollenverteilung entschieden haben, dann hat das nicht unerhebliche Auswirkungen auf den nachehelichen Unterhalt.

Längerer Unterhalt wegen Kinderbetreuung

Betreut die geschiedene Ehefrau nämlich ein Kind und führt sie damit das in der Ehe praktizierte Modell weiter, kann sie länger daheim bleiben als Frauen, die bereits bei der Geburt des Kindes wieder die Rückkehr in den Beruf geplant haben.

Vom OLG Düsseldorf zu entscheidender Sachverhalt

Die Eheleute hatten 1988 geheiratet, der gemeinsame Sohn war 1998 auf die Welt gekommen. Ab seiner Geburt hatte die Ehefrau, Industriekauffrau mit Zusatzausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin im Einvernehmen mit dem Ehemann nicht mehr gearbeitet. Der Sohn besucht seit 2009 das Gymnasium. Die Eheleute trennen sich 2007.Die Ehefrau aht aufgrund der langen Berufspause erhebliche Schwierigkeiten mit dem Wiedereinstieg.

Längere Übergangsfristen

Das OLG gesteht der Frau zu, bis zum Ablauf des Trennungsjahres, also bis zum April 2008 gar nicht zu arbeiten. Dann muss sie, obwohl der Sohn dann bereits 10 Jahre alt ist, nur einen Minijob annehmen, und erst ab Januar 2009 besteht die Pflicht zu einem Halbtagsjob. Grund für diese längeren Übergangsfristen ist die Alleinverdienerehe und die damit verbundene Rollenverteilung. Der Ehemann hat bewußt in Kauf genommen, dass die Frau auch nach Schuleintritt des Sohnes keinen Job annimmt und auch keine Fortbildung betrieben hat. Aufgrund dieser Rollenverteilung muss er nun entsprechend länger und mehr Unterhalt zahlen.

OLG Düsseldorf, vom 29.10.2009, Az.: II-7 UF 88/09 = BeckRS 2009, 86763


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