Zugewinngemeinschaft - Anfangsvermögen: das Startkapital  

Das Anfangsvermögen ist das Vermögen, das jeder Ehegatte bei der Eheschließung in die Ehe mitbringt.

Ein Beispiel für das Anfangsvermögen: Die Eheleute heiraten im Januar 2000. Die Ehefrau bringt in die Ehe ein Bankkonto mit ein, auf dem sich 1000 DM befinden, ferner ein gebrauchtes Auto im Wert von 2000 DM und schließlich einen Bausparer, der im Zeitpunkt der Eheschließung ebenfalls einen Wert von 2000 DM hat. Damit hat sie ein Anfangsvermögen von 5.000 DM oder 2556,00 €.

Indexierung des Anfangsvermögens

Im Jahr 2009 werden in die Eheleute geschieden. Zwischenzeitlich hat natürlich eine Geldentwertung stattgefunden. Um das Anfangsvermögen des Jahres 2000 mit dem Endvermögen des Jahres 2009 vergleichbar zu machen, wird das Anfangsvermögen indexiert, das heißt, der Wert von 2556,00 € wird mit dem Verbraucherpreis-Index multipliziert, der zum Zeitpunkt der Scheidung gilt. Erfolgt die Scheidung im August 2009, führt das dazu, dass das Anfangsvermögen auf einen Betrag von 2.952,00 € hoch indexiert wird.

Hinzurechnungen zum Anfangsvermögen

Zum Anfangsvermögen werden Schenkungen und Erbschaften hinzugerechnet, die ein Ehegatte in der Ehe macht. Das hat seinen Grund darin, dass solche Vermögensmehrungen meist höchstpersönlich sind. Derjenige, der etwas verschenkt oder vererbt, will konkret dem Empfänger etwas Gutes tun und nicht unbedingt auch seinem Ehegatten.

Hat die Ehefrau im obigen Beispiel im Jahr 2003 eine Erbschaft von 20.000,00 € gemacht, wird diese ebenfalls indexiert und dem Anfangsvermögen hinzugerechnet, damit der andere Ehegatte beim Zugewinnausgleich von ihr nicht profitiert. Indexiert beträgt der Wert der Erbschaft im August 2009 Euro 23.124,00, das Anfangsvermögen damit insgesamt 26.076,00 €. Die Erbschaft befindet sich natürlich auch im Endvermögen. Dadurch, dass sie auch dem Anfangsvermögen hinzugerechnet wird, wird sie neutralisiert. Der andere Ehegatte bekommt also bei der Abrechnung nichts von ihr.

Negatives Anfangsvermögen

Ein negatives Anfangsvermögen gab es bis zum 01.09.2009 nicht. Schulden, die ein Ehegatte mit dem die Ehe einbrachte, wurden bei der Schlussabrechnung einfach außer acht gelassen. Das führte zu ungerechten Ergebnissen.
Hier ein Berechnungsbeispiel nach altem Recht: der Ehemann brachte ihm die Ehe 5.000 € Schulden ein, erwarb während der Ehe ein Vermögen von 5.000 € und stand zum Schluss bei Null. Die Ehefrau ging schuldenfrei in die Ehe und erwarb ebenfalls ein Vermögen von 5.000,00 €. Nach altem Recht hatte der Ehemann (weil die Schulden unberücksichtigt blieben) keinen Zugewinn erzielt. Anders die Ehefrau, die einen Zugewinn von 5.000,00 € hatte und deshalb 2500,00 € als Zugewinnausgleich zahlen musste.
Diese Ungerechtigkeit ist nun abgeschafft. Das Gesetz geht jetzt auch in diesem Fall davon aus, dass der Ehemann (was ja auch tatsächlich der Fall ist) 5.000,00 € als Zugewinn erzielt hat. Im Beispielsfall hat also jeder Ehegatte jetzt den gleichen Zugewinn, und damit ist kein Zugewinnausgleich zu zahlen.

Beweislast für das Anfangsvermögen

Je höher das Anfangsvermögen ist, desto weniger Zugewinnausgleich muss ein Ehegatte zahlen. Er muss aber die Höhe seines Anfangsvermögens auch beweisen. Das macht nach etlichen Jahren Ehe natürlich erhebliche Schwierigkeiten. Machen Sie sich also auf die Suche nach Dokumenten (alte Kontoauszüge, Anschaffung belege für Möbel, Autos etc.). Zeugenaussagen von Eltern, Freunden oder Verwandten können Belege nur sehr schwer ersetzen. Sie stehen als Beweismittel bei Scheidungsrichtern nicht sehr hoch im Kurs. Solche Zeugen werden allgemein als nicht sehr glaubwürdig angesehen.

Siehe auch: Endvermögen, Zugewinn, Zugewinngemeinschaft, Zugewinnausgleich

Grundsätzlich zum Thema Vermögen bei Scheidung
Hier finden Sie unseren Ratgeber Scheidung


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